Burg & Festung


Als Burgstall wird die Stelle bezeichnet, an welcher sich einst eine Burg befand, von der heute nichts mehr vorhanden ist oder von der nur noch geringe Reste erhalten sind, zu denen beispielsweise Wallstücke, verlandete Seen oder Turmhügel zählen. Alternativ wird dafür auch die Begrifflichkeit "abgegangene Burg" verwendet. In einigen Fällen wird auch eine einst im Bau befindliche Burg, die jedoch nicht vollendet wurde, als Burgstall bezeichnet. Die meisten der heute als Burgstall bezeichneten Burganlagen wurden bereits zur Mittelalterzeit wieder geschleift, abgetragen und mitunter an anderer Stelle durch einen Nachfolgebau ersetzt. Burgställe stehen heute überwiegend unter Bodendenkmalschutz.

Als Wallburg werden Wehranlagen bezeichnet, die im frühen Mittelalter entstanden. Hauptmerkmal ist ein umschließender Wall, der oftmals durch eingefügte Steinmauern oder Holzstämme verstärkt und mit Erdreich mehrere Meter hoch aufgeschüttet wurde. Zusätzlich wurden oft vor dem Wall Gräben angelegt. Oftmals existierten Mischformen aus Burg und Burgwall, bei denen die Hauptburg durch eine sie umgebende Wallburg zusätzlich geschützt wurde. Die einfacheren und weniger aufwändig ausgebauten Wallburgen werden auch als Schanzen bezeichnet. Oft schützte eine Schanze eine Wallburg. Die alten Wallburgen und Schanzen wurden noch bis in die Neuzeit hinein genutzt. Sie dienten der Bevölkerung als Fluchtburgen und Viehverstecke in Not- und Kriegszeiten. So entstand beispielsweise der Beiname Schwedenschanze während der Angriffe durch die Schweden.

Eine Burg im ursprünglichen Sinne war ein Bau, der einerseits als Wohnstätte diente, andererseits eine Wehrfunktion erfüllte. Die Burg unterschied sich von einem Schloss, welches Wohn- und Repräsentationszwecken diente, und einer Festung, deren Funktion rein militärischer Art war. Im Laufe der Jahrhunderte änderte sich die Bezeichnung für die Burg mehrfach. Im 13. Jahrhundert wurden Burgen überwiegend als "stein" bezeichnet, in dem darauf folgenden als "veste". Mit dem Einsatz neuer Schusswaffen wie etwa Kanonen verloren die Burgen bald ihre Wehrfunktion. Ein Teil wurde aufgegeben und verfiel, andere wurden zu Wohnschlössern umgebaut, so dass deren Bezeichnung ab dem 16. Jahrhundert mit schlos überliefert ist. Viele Burgen wurden später abgerissen und das so gewonnene Baumaterial zum Bau von Kirchen oder Stadthäusern verwendet. Inspiriert von der Romantik der Burgruinen, ließen ab dem 19. Jahrhundert einige Schlossbesitzer künstliche Ruinen in ihren Schlossgärten und Parks erstellen.

Die meisten heute noch erhaltenen Burgen oder deren Ruinen entstanden ungefähr zwischen 1050 und 1500, der Hochzeit des Burgenbaus. Größtenteils wurden sie von Spezialisten erbaut, was nicht nur die Baukosten in die Höhe, sondern auch manchen Burgherrn in den Ruin trieb. Baubestandteile einer typischen Burg waren der Bergfried, welcher als Hauptturm der Burg Wehrcharakter hatte, sowie die Burgmauer, die oft mit einem zusätzlichen Außengraben versehen war. Das Innengelände der Burg bestand aus einem Wohnturm oder einem saalähnlichen Wohngebäude, welches Palas genannt wird, sowie beheizbaren Wohngemächern, den Kemenaten. Die meisten Burgen verfügten über einen Wirtschaftshof, der oftmals als Vorburg angelegt wurde und aus Wirtschaftsgebäuden, Ställen und Gesindehäusern bestand.

Als Wasserburg oder Wasserschloss werden Burgen bzw. Schlösser bezeichnet, die entweder auf natürlichen oder künstlich angelegten Inseln in Teichen oder Seen erbaut wurden oder die allseitig von Wasser führenden Gräben umgeben sind. Durch das Wasser und den oftmals einzigen Zugang über eine Zugbrücke, die im Gefahrenfall hochgezogen wurde, wurden Angriffe und Stürmungen erheblich erschwert und die Burg bzw. das Schloss konnte besser verteidigt werden. Einige Wasserburgen und -schlösser verloren ihren ursprünglichen Charakter, nachdem die Wassergräben aus heute wirtschaftlichen Gründen trocken gelegt wurden.

Eine Höhenburg ist eine Burg, die auf einer natürlichen Anhöhe wie etwa einem Berg oder einem Felsen errichtet wurde. Aufgrund ihrer Lage und der damit verbundenen besseren Verteidigungsmöglichkeiten durch den erschwerten Zugang waren Höhenburgen bevorzugte Wohnorte des Adels. Der Großteil der erhaltenen Burgen und Burgruinen befindet sich in Höhenlage und ist heute beliebtes Ausflugsziel.

Eine Felsenburg ist eine Sonderform der Höhenburg, bei der die vorhandenen Felsen die Basis für den Bau der Wehranlage bildeten und direkt in den Bau mit einbezogen wurden. Oftmals hölzerne Aufbauten sowie in den Fels getriebene Gemächer und Zisternen vervollständigten die Felsenburg. Die meisten dieser Burgen wurden aufgegeben und geschleift und sind nur noch mit wenigen erkennbaren Resten existent.

Eine Festung war eine besonders stark befestigte Verteidigungsanlage, die ausschließlich militärischen Zwecken diente. Allerdings wurden teilweise ganze Städte zu einer Festung umgebaut und von starken Festungsmauern umgeben. Festungen wurden ab dem späten 15. Jahrhundert bis in die Zeit des Zweiten Weltkrieges hinein errichtet und genutzt. Weitere Nutzungsarten waren Gefängnis, Lazarett, Verwaltungssitz und Auslagerungsort für Kunstschätze sowie Zufluchtsort für den Landesregenten. Da sich im Laufe der Zeit die eingesetzten Waffen und damit die Art der Kriegsführung änderte, wurden auch die Festungen jeweils entsprechend der Erfordernisse kontinuierlich aus- und umgebaut und die Verteidigungssysteme verbessert. Eine Festung setzte sich aus verschiedenen Bauabschnitten zusammen: Festungsmauern, Bastionen, Zeughäuser, Kasernen, Garnisonsgebäude, Wälle und Wassergräben. Bei der Konstruktion wurde auf die Vermeidung toter Winkel besonderer Wert gelegt, um optimale Voraussetzungen für Schutz und Verteidigung zu schaffen.

Die meisten Festungen wurden nach ihrer Aufgabe geschleift. Nur in wenigen Fällen sind geschliffene Festungen noch teilweise erhalten und einer neuen Nutzung zugeführt. Zu nennen ist hier die Stadt Dresden, die vormals von Festungsmauern umgeben war. Eine Bastion wurde zum Zwinger umgebaut, der Wassergraben auf der Kronentorseite wurde freigelegt, die Brühlsche Terrasse wurde auf Festungsmauern angelegt, Reste des Pulverturms sind im Coselpalais erhalten, die Kasematten werden für Veranstaltungen, museal und gastronomisch genutzt.

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