Über "Sachsens Schlösser" - Steinzeitbericht


Über die Anfänge eines Projektes rund um Sachsens Schlösser, Burgen und Rittergüter

Psychologische Erklärungsansätze gehen immer wieder davon aus, dass Ursachen für bestimmte Dinge in der Kindheit zu suchen wären. Wenn ich zurück denke, fällt mir meine missmutige Laune ein, wenn sonntags ein Familienausflug zu einem Schloss, einem langweiligen, alten Kasten, wie ich es damals empfand, anstand, und ich meinen Büchern, meinen Bastelutensilien oder meinem Briefpapier für ein paar Stunden abschwören sollte. Doch manchmal ändern sich die Dinge. Habe ich als Kind noch die gesamte Bibliothek am Sachsenbad in Dresden rauf und runter gelesen, findet sich heute höchstens noch auf einer langen Zugfahrt die nötige Ruhe und Entspannung ein Buch zu lesen. Ähnlich erging es mir mit jenen langweiligen, alten Kästen.

Desireé, meine Brieffreundin aus den Niederlanden, und ihre Freundin hatten sich besuchsweise eine Woche bei mir einquartiert. Wir standen am Fähranleger im Kurort Rathen und die beiden waren vollauf fasziniert von der herrlichen Landschaft, den Felsformationen, dem strahlend blauen Himmel. Doch die Begeisterung hielt nur so lange vor bis sie erfuhren, dass unser Ziel nicht etwa nur das kleine Städtchen auf der anderen Elbe-Seite wäre, sondern die steinerne Brücke, die sich zwischen den Felsen hoch oben abzeichnete. Für die beiden kam der Aufstieg zur Bastei einer Gipfelerklimmung des Himalayas gleich. Zugegebenermaßen hatte es schon einige Freude gemacht die beiden in der Form zu motivieren, dass wir gleich hinter der nächsten Biegung dann endlich oben angekommen wären, auch wenn das natürlich keineswegs stimmte.

Eine Besichtigung der Felsenburg Neurathen fiel allerdings aus, da meine Gäste vermutlich heimatbedingt unter Höhenangst litten. Dennoch ist genau dieser Besuch meiner niederländischen Freunde die eigentliche Geburtsstunde von "Sachsens Schlösser" gewesen. Eine Woche wollte gut vorbereitet werden, um den beiden ein interessantes und umfangreiches Ausflugsprogramm bieten zu können. Bei den vorherigen Recherchen stellte ich fest, dass Dresden nicht nur über das bekannte Residenzschloss und die drei Elb-Schlösser verfügt, sondern beispielsweise noch über ein wunderschönes, wenn auch leider stiefmütterlich behandeltes Schloss Übigau und einen Wachwitzer Weinberg, dessen Schloss Wachwitz aufgrund seiner Höhenlage einen herrlichen Blick über die Landeshauptstadt offeriert.

Über Nacht war das Interesse erwacht und die Zeit zeigte, dass es sich hierbei nicht um ein flüchtiges Interesse handelte, das nach ein paar Wochen oder Monaten wieder abflachte. Das war etwas, was bleiben wollte. Die Anfänge bestanden zunächst noch aus dem steinzeitlichen Sammeln von Zeitungsartikeln und Broschüren, die in Klarsichthüllen abgeheftet irgendwann mehrere Ordner füllten. Mehrfach zogen mich Gurlitts Werke und weitere Veröffentlichungen in Buchform in die Bibliothek. Kopien von Inhaltsverzeichnissen und das Herausfiltern von Schlössern und Burgen, die im Autoatlas grafisch und teilweise namentlich vermerkt waren, ergaben eine erste Liste, die als Anhaltspunkt diente. Wochenendausflüge führten nun nach Pirna, nach Freital, nach Weinböhla, ins gesamte nähere Umland, um erste Fotoaufnahmen zu sammeln.

Über vier, fünf Jahre dauerten diese noch einfachen Recherchemethoden an, die einzig dem persönlichen Vergnügen dienten. Die Ordner nahmen langsam den Platz weg und so reifte die Entscheidung, schrittweise alles digital aufzubereiten. Der Fortschritt hielt nach der Anschaffung eines leistungsfähigeren Computers im Wohnzimmer Einzug, die Herlitz-Ordner leerten sich, während sich die Word-Ordner nach und nach füllten. Eine Digitalkamera erleichterte zudem die Arbeit und senkte die Kosten.

Irgendwann stand die Frage im Raum, warum diese Arbeit nicht auch anderen Menschen zugänglich gemacht werde. In einem Telefonat gegen 3 Uhr nachts mit einem guten Bekannten aus Hessen wurde das Für und Wider hin und her diskutiert. Kopfzerbrechen bereiteten vor allem zwei Dinge: Die mangelnde Kenntnis von der Gestaltung und Pflege einer Homepage sowie die zu jenem Zeitpunkt noch nicht allzu umfangreichen Beiträge und Listen. Das Endergebnis des mehrstündigen Telefonats war so simpel wie einleuchtend: Beides kann geändert werden. Bereits am datumsgleichen Tag, nach zwei, drei Stunden Schlaf und dem regulär neunstündigen Arbeitstag, begannen auch schon die ersten Vorbereitungen.

In der ersten Zeit war "Sachsens Schlösser" unter anderem Namen auf einer statischen Website beheimatet, die umständlich unter FrontPage erstellt worden war und keine allzu komfortable Navigation bot. Sie war vor allem für mich eine Spielerei, bei der ich probieren, basteln, verändern konnte. Zudem war mir damals noch überhaupt nicht klar, wohin der Weg einmal führen und was aus dem Projekt werden würde.

HINWEIS! Selbst wenn ein Gebäude oder Grundstück als leer stehend beschrieben wird, berechtigt dies NICHT zum unbefugten Betreten!

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